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Archiv der Kategorie: Dies und das

Gentest statt „heißer Spur“

Was macht die deutsche Polizei, wenn sie nicht mehr weiter weiß? Sie sammelt massenweise Handydaten und DNS-Proben ein. So tragisch ein Fall wie die aktuelle Tötung in Zella-Mehlis auch ist: Solche Tragödien werden immer wieder dafür mißbraucht, den Rechtsstaat auszuhebeln.

Was passiert momentan? Laut MDR und Thüringer Allgemeine wurden Anwohner um eine freiwillige Abgabe einer Speichelprobe zwecks DNS-Abgleich gebeten.

Natürlich fällt es da schwer, dagegen zu protestieren. Schließlich wäre man zum einen sofort verdächtig, zum anderen würde man sich den Zorn der wütenden Masse zuziehen. Keine freiwillige DNS-Abgabe? Dann muss es ein Krimineller sein, oder jemand, der etwas zu verbergen hat. Gegen Internetsperren? Das muss ein Kinderschänder sein, oder zumindest ein Sympathisant.
Gerade bei solch medienwirksamen Fällen fällt es schwer, seine freiheitlichen Grundrechte in Anspruch zu nehmen. Schließlich wird man nicht gern als „Aufklärungsverhinderer“ hingestellt, und wenn der von BLÖD und Konsorten aufgehetzte Mob erst einmal Zeter und Mordio schreit, überlegt man sich schnell, ob man nicht doch lieber „freiwillig“ seine Speichelprobe abgibt.
Was eine Verweigerung für Konsequenzen haben wird, kann man im Law-Blog nachlesen. So oder so – entweder man gibt seine Rechte auf, oder man wird stigmatisiert.

Wenig überraschend ist dann noch die Aussage, dass mit diesem „freiwilligen“ Gentest ein möglicher Massengentest vereinfacht und unnötiger Doppelaufwand vermieden werden soll. Dieser wäre dann also nicht mehr freiwillig? Rechtsstaat, wo bist Du geblieben?

Natürlich wünsche ich mir, dass der Täter möglichst schnell ermittelt wird – aber nicht um jeden Preis! Die Polizei ist nicht dazu da, wenn sie „keine heiße Spur“ hat, die Ermittlungen durch Massenerhebungen persönlichster Daten zu ersetzen. Wie bin ich froh, nicht in der Nähe von Zella-Mehlis zu wohnen. Ansonsten hätte ich diesen Blogbeitrag vermutlich gar nicht erst geschrieben, da Anfeindungen geBILDeter Anwohner mit ziemlicher Sicherheit folgen würden.

 
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Verfasst von - 2011/07/01 in Dies und das

 

Jetzt bloggt er auch noch…!

Ich gestehe: Früher ™ empfand ich Blogs als eine Seuche. Nun hat sich das Verständnis des Wortes Blog in den letzten Jahren grundlegend geändert, es ist eine ernstzunehmende Blogosphäre entstanden. Bezeichnete noch vor einigen Jahren ein Blog in aller Regel ein tatsächlich öffentlich im Web geführtes Tagebuch mit privaten Befindlichkeiten, die eigentlich niemanden interessieren, findet man heute darunter auch Fach- und Wissenschaftsblogs. Unwichtige „Statusmeldungen“ wie den letzten Friseurbesuch und ein Foto vom Carpaccio des vergangenen Abends findet man nun eher bei Facebook oder Twitter.

Nun werde ich hier sicherlich keine wissenschaftlichen oder hochgeistigen Abhandlungen verfassen. Aber vielleicht gelingt es mir ja, einige bisher noch nicht so recht verarbeitete Gedanken in essayistischer oder kolumnistischer Form in Bildpunkte zu bringen. 😉 Wenn es dann der eine oder die andere interessant findet, um so besser.

Vielen Dank an Southgeist für die Gelegenheit, mich erst einmal sechs Wochen lang als Gastblogger auf Iberty zu betätigen. Ich muss gestehen: Ich wurde erfolgreich angefixt. Die tragische Konsequenz der Aktion ist also ein weiteres Blog, das eigentlich niemand braucht. Meine Beiträge dort habe ich hier ebenfalls eingestellt, um nicht mit einem völlig leeren Blog beginnen zu müssen.

Ich bin selbst gespannt, wie sich das entwickelt, und ob es eine dauerhafte und regelmäßige Betätigung wird, oder ob es wieder einschläft.

 
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Verfasst von - 2011/06/15 in Dies und das

 

Der E-Postbrief der Deutschen Post

Man soll ja nicht immer nur meckern, daher nun auch mal wieder etwas positives. 🙂

Es gibt leider noch immer zahlreiche Unternehmen oder Behörden, die mit Kundenkontakten via E-Mail irgendwie noch nicht allzuviel anfangen können und auf papiergetragene Kommunikation oder eine Unterschrift bestehen. Meist sende ich in solchen Fällen ein Fax. Dank Telefonflatrate ist das kostenlos, und ob meine Unterschrift gescannt und das ganze als Computerfax verschickt oder aber tatsächlich als altmodisches Papierfax versendet wurde, kann der Empfänger in der Regel nicht so schnell erkennen.

Nun gibt es Spezialisten, die noch nicht einmal eine Faxnummer angeben. Normalerweise bleibt in solchen Fällen nur das Telefon (ungünstig da abstreitbar) oder aber der klassische Brief. Allerdings existiert inzwischen auch eine günstige Alternative.

Vor einiger Zeit habe ich mich beim E-Postbrief angemeldet. Nach dem ganzen Prozedere wie Anmeldung, Postident-Verfahren, nochmalige Eingabe eines zugesandten Codes zur Adressverifikation war sich der gelbe Riese dann wohl ausreichend sicher, es tatsächlich mit mir zu tun zu haben.

Als ich also neulich mal wieder eine Kündigung losschicken wollte, probierte ich dieses Tool einfach aus: Online losgeschrieben, auf Senden geklickt, Meldung über fehlendes Guthaben erhalten. Genau, da war ja noch was. Die Aufladung funktionierte problemlos per Kreditkarte, ich wollte schon immer mal einen Centbetrag mit Mastercard bezahlen. 🙂 Aus mir unerfindlichen Gründen musste ich statt dem normalen Porto von 55 ct mindestens stolze 56 ct einzahlen. Jetzt habe ich 1 ct Guthaben bei der Post. Auch prima, die zinslose Geldanlage in dieser Höhe kann ich gerade noch so verkraften. Danach nochmal auf Senden geklickt, dann das Senden nochmal bestätigt, dann war der Brief weg. Die papierhaltige Zustellung erfolgt angeblich innerhalb von 2 Werktagen. Ich habe den Brief jetzt als pdf im Portal und kann ihn auch runterladen.

Vor allem letzterer Punkt begeistert mich: Sollte ich einmal in Beweislast geraten, lässt sich dies prima vorweisen. Im Gegensatz zu Einschreibe-Sendungen ist hier sogar der Inhalt auf dem Postserver nachvollziehbar gespeichert. Nur über den Punkt „Datenschutz“ habe ich beschlossen nicht intensiver nachzudenken. Theoretisch kann „die Post“ meine Briefe lesen.

Fazit: Tolle Sache. Blatt Papier, Umschlag, Druckertinte, Weg zum Briefkasten gespart. Außerdem habe ich einen Sendenachweis, den ich bei einem selbst eingeworfenen Papierbrief nicht hätte. Ich bin zufrieden.

 
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Verfasst von - 2011/06/15 in Dies und das

 

Behördenwahnsinn und moderne Technologie

Seit November gibt es den neuen Personalausweis, nun habe auch ich zwangsläufigerweise so ein Teil. Da mein „alter“ am ablaufen war und ich einen Reisepass brauche, dachte ich mir es wäre sinnvoll gleich mit zwei Klappen auf eine Fliege zu schlagen. Also beides zusammen beantragt.

Keine Überraschung: Natürlich kann man sein Passbild nicht digital abgeben, weder per Mail noch per Stick oder sonst irgendwie. Also ausdrucken…

Erste Überraschung: Um ein Passbild von den Mitarbeitern des Bürgerzentrums akzeptiert zu bekommen, braucht man sehr gute Nerven. Bei meinen Besuchen hatte ich den Eindruck, etwa die Hälfte aller BittAntragsteller wird erst einmal pauschal gleich am Empfang wegen des Fotos zurückgewiesen. In meinem Fall schickte man mich beim ersten Versuch mit dem Kommentar „viel zu hell“ wieder weg. Tags darauf war mein Passbild zu dunkel. Da ich mit solcher Unbill bereits rechnete, hatte ich eine Belichtungsreihe ausgedruckt und warf 5 Kandidaten auf den Tisch. Plötzlich war das Bild nicht mehr zu dunkel. Hat man also die bildliche Hürde nach langen Diskussionen genommen, geht es ans Beantragen.

Zweite Überraschung: Die (man erinnere sich: nur analog akzeptierten) Fotos werden gleich vor Ort einscannt. Mit einem Standard-Billig-Kombi-Gerät aus dem Ichbindochnichtblöd-Markt. Bei jedem Sachbearbeiter schien eine andere Marke zu stehen. Also Passbild auf den Scanner gelegt, in der Software geklickt. Helligkeitskorrektur oder so ein Schnickschnack angeblich nicht möglich.

Dritte Überraschung: Der Wahnsinn hat Methode. Für Perso und für Pass werden die Bilder jeweils neu eingescannt. Eine Datenübernahme von einem zum anderen Antrag ist nicht möglich. Die beiden Fotos werden auf die Formulare geklebt, die vor Ort bleiben. Grotesk: Bei der Abholung bekommt man beide Fotos zurück. Wozu für die Zeit zwischen Beantragung und Aushändigung zwei Fotos dort physisch herumliegen müssen, konnte man mir nicht beantworten. Prinzipiell hätte eines ja zumindest gereicht.

Vierte Überraschung: Na gut, überrascht war ich dann nicht mehr wirklich. Meine Fingerabdrücke wurden auch zweimal eingescannt. Keine Datenübernahme zwischen den beiden Anträgen, man erinnert sich.

Kostenpunkt: 87,80 € für beides. Teure neue Welt.

Was kann ich nun mit meinem Wunderwerk der Innovation und Datensammlung anstellen? Meine größte Überraschung: Fast nichts. Selbst über ein halbes Jahr nach dessen lang zelebrierter Einführung kann man noch keine elektronische Signatur auf den Ausweis laden. Alles noch in der Entwicklung. Um dies irgendwann – sofern es jemals fertig sein wird – auch nutzen zu können, braucht man ein Komfort-Lesegerät der Klasse 3. Aus Sicherheitsgründen sowieso zu empfehlen. Zertifiziert ist bisher ein einziges, ein Reiner SCT. Seit 2 Monaten warte ich nun darauf, dass dieses einzig mögliche Gerät lieferbar ist. Bisher ist es noch nicht erhältlich. Heute bekam ich als voraussichtlichen Liefertermin Mitte Juli genannt.

Während man woanders über die digitale Zukunft diskutiert, überlegt der Amtsschimmel noch, ob er an der Zukunft überhaupt teilnimmt. Jahrelange Planung für den sogenannten nPA, tolle Marketing-Aktionen und dann: Nichts funktioniert. Bizarre neue Welt.

Originalpost und Kommentare: Iberty

 
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Verfasst von - 2011/05/25 in Dies und das