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Behördenwahnsinn und moderne Technologie

25 Mai

Seit November gibt es den neuen Personalausweis, nun habe auch ich zwangsläufigerweise so ein Teil. Da mein „alter“ am ablaufen war und ich einen Reisepass brauche, dachte ich mir es wäre sinnvoll gleich mit zwei Klappen auf eine Fliege zu schlagen. Also beides zusammen beantragt.

Keine Überraschung: Natürlich kann man sein Passbild nicht digital abgeben, weder per Mail noch per Stick oder sonst irgendwie. Also ausdrucken…

Erste Überraschung: Um ein Passbild von den Mitarbeitern des Bürgerzentrums akzeptiert zu bekommen, braucht man sehr gute Nerven. Bei meinen Besuchen hatte ich den Eindruck, etwa die Hälfte aller BittAntragsteller wird erst einmal pauschal gleich am Empfang wegen des Fotos zurückgewiesen. In meinem Fall schickte man mich beim ersten Versuch mit dem Kommentar „viel zu hell“ wieder weg. Tags darauf war mein Passbild zu dunkel. Da ich mit solcher Unbill bereits rechnete, hatte ich eine Belichtungsreihe ausgedruckt und warf 5 Kandidaten auf den Tisch. Plötzlich war das Bild nicht mehr zu dunkel. Hat man also die bildliche Hürde nach langen Diskussionen genommen, geht es ans Beantragen.

Zweite Überraschung: Die (man erinnere sich: nur analog akzeptierten) Fotos werden gleich vor Ort einscannt. Mit einem Standard-Billig-Kombi-Gerät aus dem Ichbindochnichtblöd-Markt. Bei jedem Sachbearbeiter schien eine andere Marke zu stehen. Also Passbild auf den Scanner gelegt, in der Software geklickt. Helligkeitskorrektur oder so ein Schnickschnack angeblich nicht möglich.

Dritte Überraschung: Der Wahnsinn hat Methode. Für Perso und für Pass werden die Bilder jeweils neu eingescannt. Eine Datenübernahme von einem zum anderen Antrag ist nicht möglich. Die beiden Fotos werden auf die Formulare geklebt, die vor Ort bleiben. Grotesk: Bei der Abholung bekommt man beide Fotos zurück. Wozu für die Zeit zwischen Beantragung und Aushändigung zwei Fotos dort physisch herumliegen müssen, konnte man mir nicht beantworten. Prinzipiell hätte eines ja zumindest gereicht.

Vierte Überraschung: Na gut, überrascht war ich dann nicht mehr wirklich. Meine Fingerabdrücke wurden auch zweimal eingescannt. Keine Datenübernahme zwischen den beiden Anträgen, man erinnert sich.

Kostenpunkt: 87,80 € für beides. Teure neue Welt.

Was kann ich nun mit meinem Wunderwerk der Innovation und Datensammlung anstellen? Meine größte Überraschung: Fast nichts. Selbst über ein halbes Jahr nach dessen lang zelebrierter Einführung kann man noch keine elektronische Signatur auf den Ausweis laden. Alles noch in der Entwicklung. Um dies irgendwann – sofern es jemals fertig sein wird – auch nutzen zu können, braucht man ein Komfort-Lesegerät der Klasse 3. Aus Sicherheitsgründen sowieso zu empfehlen. Zertifiziert ist bisher ein einziges, ein Reiner SCT. Seit 2 Monaten warte ich nun darauf, dass dieses einzig mögliche Gerät lieferbar ist. Bisher ist es noch nicht erhältlich. Heute bekam ich als voraussichtlichen Liefertermin Mitte Juli genannt.

Während man woanders über die digitale Zukunft diskutiert, überlegt der Amtsschimmel noch, ob er an der Zukunft überhaupt teilnimmt. Jahrelange Planung für den sogenannten nPA, tolle Marketing-Aktionen und dann: Nichts funktioniert. Bizarre neue Welt.

Originalpost und Kommentare: Iberty

 
Kommentare deaktiviert für Behördenwahnsinn und moderne Technologie

Verfasst von - 2011/05/25 in Dies und das

 

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