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Archiv des Autors: Stepro

Anatevka – Großes Theater in Gera

Aufgeweckt durch einen Veranstaltungstipp im Thüringen Journal (vielen Dank an Jana Pfeifer!) konnte ich tatsächlich die letzte verfügbare Karte für das Musical Anatevka – auch bekannt als “Der Fiedler auf dem Dach” – für den vergangenen Samstag ergattern. Zum ersten Mal in Gera, und das gleich bei minus 16°C, dankte ich den Planern erst einmal dafür, das Große Haus des Geraer Theaters direkt neben den Hauptbahnhof gestellt zu haben.

Das Gebäude an sich macht von außen einen angenehmen Eindruck, und auch der Theatersaal im Inneren strahlt eine angemessene Atmosphäre aus. Dass die Veranstaltung ausverkauft war, war mir ja durch den Erwerb der letzten Karte (immerhin die Mitte von Reihe 6) bewusst. Die Menschen in der Eiseskälte vor dem Haus, die nach Karten fragten, erstaunten mich dennoch. Hier scheint deutliches Potential für eine größere Anzahl von Aufführungen zu sein. Den Anteil der Anzugträger im Publikum schätze ich auf über 90% der männlichen Besucher; ein Wert, den man heute kaum noch gewohnt ist.

Der erstaunlich günstige Kartenpreis von 29 € für die “teuerste” Preiskategorie einer Musicalaufführung ließ mich eigentlich nicht allzuviel erwarten – hier wurde ich jedoch massiv enttäuscht: Die Aufführung war absolut sehens-, hörens- und erlebenswert! Allen voran ein großartiger Peter Prautsch als Milchmann Tevje, der völlig verdient am Ende der Aufführung frenetisch bejubelt wurde. Seine inneren Monologe bzw. Zwiegespräche mit Gott waren von großer schauspielerischer Leistung, selbst die Gesangsdarbietungen überzeugten. Aber auch das restliche Ensemble war sehenswert, egal ob es sich um die Schauspieler oder die Tänzer der russischen Stücke handelt.

Das Stück ist durch den Religions- und Gesellschaftskonflikt (arrangierte Ehen, Tradition vs. Moderne, Beziehungen zwischen verschiedenen Religionen) heute noch genau so aktuell wie zur Zeit seiner Entstehung. Dennoch haben Regie, Bühnenbild und Kostüm die Inszenierung nicht “zwanghaft modernisiert”, sondern auf sehr wohltuende Art und Weise in ihrem ursprünglichen Kontext belassen und hervorragend umgesetzt. Danke für dieses großartige Musicalerlebnis!
Das steht leider im krassen Gegensatz zu so manchem Profilierungswahn an anderen Häusern, wo man kaum die Möglichkeit hat, überhaupt noch eine werkgetreue Aufführung zu finden. Speziell für das Theater Erfurt würde ich mir den Willen zu solchen Aufführungen wünschen. Dort habe ich eher den Eindruck, die Bühnenbildner sind seit Jahren im Urlaub, und der Intendant möchte mit jeder Premiere das Theater neu erfinden. So musste man in den vergangenen Jahren hier leider einiges ertragen: Zum Beispiel ein Prinz Tamino in der “Zauberflöte”, welcher mit kurzen Hosen und Handy am Ohr mit dem Fahrrad auf die Bühne fährt, um eine groteske Papierschlange zu erlegen. Aktuell wird gar “Der Freischütz” von Dominique Horwitz bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet.

Ich könnte mir gut vorstellen, auch zukünftig den Weg nach Gera oder Altenburg einzuschlagen (beide Orte gehören zur “Theater und Philharmonie Thüringen GmbH”). Vermutlich das nächste Mal aber eher mit dem Auto, hier noch das wohl unvermeidliche “Bahn-Bashing” zum Abschluss: Die Verbindung ist spät abends grottenschlecht, der Geraer Bahnhof bereits kurz nach 22 Uhr völlig tot, der Weimarer selbsternannte “Kulturbahnhof” gar ab 23 Uhr völlig abgeschlossen (!), und das angepriesene Erfurter Nachtnetz “ERNA” der EVAG ab 1 Uhr nachts nicht mehr existent. Und das am Wochenende vom Samstag zu Sonntag, einem Termin also, zu dem tatsächlich Menschen in der Stadt unterwegs sind.

Für Interessierte: Anatevka auf den Seiten des Theater Gera mit Terminen von März bis Juni

 
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Geschrieben von - 2012/02/13 in Guldur

 

Lernresistenz beim Wikimedia-Vorstand

Ich hätte nie gedacht, das einmal zu schreiben: Ich bin mit dem Verhalten des Vorstandes von Wikimedia Deutschland nicht mehr einverstanden.

Während ich bei aller (meist sehr heftigen) Kritik in der Vergangenheit ihn noch verteidigt habe, und mehr Sachlichkeit, Grundvertrauen und Verständnis angemahnt habe, muss ich meine Einstellung inzwischen revidieren. Offenbar war ich wohl zu naiv und habe den ständigen Beteuerungen, dass man sich um eine verbesserte Kommunikation bemühe, zuviel Glauben geschenkt. Tatsächlich erweist sich der Vorstand als Gremium insgesamt als erstaunlich lernresistent. Ich weiß nicht ob es Unfähigkeit, Absicht oder schlichte Ignoranz ist. Ersteres würde mich noch mehr erschrecken, zweites mag ich einfach nicht glauben, also tendiere ich zu drittem.

Als im Herbst letzten Jahres eine gGmbH als Tochtergesellschaft gegründet wurde, und irgendwie “vergessen” wurde, dies auch zu kommunizieren, wurde ein Kommunikationsproblem eingeräumt und Besserung gelobt. Da meiner Meinung nach der inhaltliche Fakt – die gGmbG-Gründung – absolut in Ordnung und sinnvoll war, fand ich das nicht allzu tragisch. Dennoch reichte es aus, dass 10% der Vereinsmitglieder eine außerordentliche Mitgliederversammlung für Januar einberiefen. Dort wurde in flammenden Reden, vor allem vom Vereinsvorsitzenden, nochmals ein Kommunikationsdefizit eingestanden und Besserung gelobt. Es folgten hitzige aber konstruktive Debatten, man nahm die Versprechen an und bestätigte den Vorstand beim Misstrauensvotum recht komfortabel. Ich war damit zufrieden, auch ich habe für die Bestätigung gestimmt.

Als im März dann die reguläre Mitgliederversammlung samt Vorstandswahlen anstand, wurden die erneut angetretenen Vorstandsmitglieder ausnahmslos wiedergewählt. Auch hier gab ich diesen meine Stimme, nach der Vorstellung der Pläne für das kommende Jahr war ich überzeugt, dass die Mitglieder in die richtige Richtung gehen. Es wurde erneut gelobt, für eine deutlich verbesserte Kommunikation mit den Mitgliedern zu sorgen. Ein neuer Schriftführer, der beruflich im Pressebereich tätig ist, machte mir Hoffnung auf mehr Transparenz und mehr Informationen aus dem Vorstand.

Das erste Mal enttäuscht wurde ich bereits kurz danach. Eines der Hauptprojekte des Vereins in diesem Jahr ist die Aktion “Wikipedia muss Weltkulturerbe werden”. Nur leider wurde dies auf der MV bei allen vorgestellten Planungen mit keiner Silbe erwähnt. Ich war entsprechend angesäuert ob dieses Affronts gegen die Vereinsmitglieder. Man besaß tatsächlich sogar die Chuzpe, das Vorhaben am Tag nach der MV im kleineren Kreis vorzustellen. Nun kritisiere ich auch hier wieder nicht den Inhalt der Aktion (gleichwohl ich da anderer Meinung bin), sondern die Art und Weise der Nichtkommunikation. Das größte Vorhaben des Vereins nicht bei den Planungen auf der MV vorzustellen empfinde ich schon als gehörig dreist. Aber auch das nahm ich noch einigermaßen gelassen hin und beließ es bei einem Blogpost.

Leider hat sich allerdings auch sonst praktisch nichts an der Kommunikation zwischen Vorstand und Verein gebessert. Die Informationen über die Vorstandssitzungen verdienen diesen Namen nicht. So ist der letzte Eintrag von Anfang Mai, und auf mehr als der Hälfte aller Vorstandssitzungen wurde offenbar nur die Aufnahme neuer Mitglieder beschlossen. Irgendwie mag ich nicht glauben, dass dies das einzige Ergebnis der jeweiligen Sitzungen sein sollte. Falls doch, machte es die Angelegenheit auch nicht besser.

Dass ich erst von dieser Seite erfahren muss, dass es wohl einen Antrag auf Anfechtung der Satzungsänderung gab, verwundert mich dann kaum noch. Auch hierzu: Null Information an die Mitglieder. Wenn ich nach Erhalt des MV-Protokolls nichts weiter höre, gehe ich eigentlich davon aus, dass es keinen Einspruch dagegen gab und es daher ohne Gegenstimme gültig wurde. Auch darauf kann ich mich nun nicht mehr verlassen.

Der aktuelle Höhepunkt der Misskommunikation ist es jedoch, dass es (vermutete) Probleme mit einem von den Mitgliedern per MV-Beschluss eingesetzten Ausschuss gab. Hier wurden die Probleme nicht nur gegenüber den Vereinsmitgliedern und der Community totgeschwiegen, nein, als Krönung des Ganzen wurden noch nicht einmal die betreffenden Ausschussmitglieder kontaktiert. Ergebnis ist eine desaströse Diskussion um ein sehr sinnvolles Projekt, der Rücktritt eines Ausschussmitglieds, und ein generelles Mißtrauen wohl aller Ausschussmitglieder gegenüber dem Vorstand. Statt Kommunikation erfolgten Vertrauensbruch und bisher haltlose Vorwürfe.
Dabei wurden fraglos das Ansehen des Vereins sowie auch teilweise der Wikipedia beschädigt.

Nun ist mir natürlich klar, dass der Vorstand keine homogene Masse ist sondern aus 10 Mitgliedern mit teilweise recht differierenden Ansichten besteht. Doch wie sind diese unterschiedlichen Ansichten, wo kann man diese erfahren? Solange die Vorstandsmitglieder sich in Schweigen hüllen, kann ich da auch nichts differenziert betrachten. Kommen nur (sehr wenige und teilweise recht nebulöse) Vorstandsstatements, kann ich auch nur den Vorstand insgesamt als solchen beurteilen. Und dieses Urteil ist momentan für mich selbst sehr enttäuschend.

Einen positiven Ausreißer möchte ich allerdings nicht verschweigen: Achim kommuniziert als bisher einziger auch ab und an seine persönliche Meinung. Ansonsten herrscht Schweigen im Walde. Der Schriftführer schreibt nicht (zumindest nichts öffentlich), und auch vom anderen Mitglied im Ressort “Vereinskommunikation” habe ich seit der Wahl nichts mehr diesbezüglich vernommen.

Da ich im Sinne einer konstruktiven Kritik nicht nur die Probleme benennen, sonder auch Lösungsmöglichkeiten aufzeigen will, folgendes an alle Vorstandsmitglieder: Hört auf, Euch abzuschotten, kommuniziert! Berichtet aus den Vorstandssitzungen! Berichtet aus den einzelnen Ressorts! Der monatliche Bericht aus der Geschäftsstelle macht es vor. Es muss auch nicht gleich monatliche Berichte geben, aber fangt endlich an, etwas über Eure Arbeit mitzuteilen! Ansonsten gibt es auf der nächsten MV wieder die Frage, was Ihr eigentlich so im Einzelnen überhaupt gemacht habt.
Wenn Ihr Probleme seht, teilt diese mit. Es gibt dafür extra einen internen Mitglieder-Bereich im Forum, wo Ihr unter Ausschluss der Öffentlichkeit diese ansprechen könnt. Die Vereinsmitglieder sind nicht so unmündig, wie Ihr scheinbar glaubt. Man kann diesen auch mal die Konfliktpotentiale, die Ihr seht, zumuten.

 
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Geschrieben von - 2011/07/16 in Wikimedia

 

Verjüngung durch Einstellung – zum Ende von “neues”

Gestern lief eine Sendung mit treuer Fangemeinde zum letzten Mal im Fernsehen. Wenn man die Medienmeldungen heute so überblickt, müsste es sich dabei um “Anne Will” handeln:

Doch Anne Will ging nur in die übliche Sommerpause und bekommt danach einen neuen Sendeplatz. Manches liest sich allerdings wie ein Abgesang auf eine eingestellte Sendung.

Tatsächlich zum letzten Mal wurde gestern allerdings die Sendung “neues” ausgestrahlt. Nach 20 Jahren ist nun Schluss, ein Abschied, der sogar eine eigene Facebook-Gruppe mit über 1.000 Fans entstehen lies.

Produziert und verantwortet wurde die Sendung vom ZDF. Vermutlich soll mit der Einstellung der Sendung mit eher jüngerem Publikum ein weiterer Schritt in Richtung Verjüngung gegangen werden: “Neuer ZDF-Intendant Bellut will Publikum drastisch verjüngen” (Spiegel Online). Mehr als Sarkasmus fällt mir leider nicht dazu ein. Interessant auch das Medienecho: Während auf die Sommerpause von Anne Will zig Meldungen zu finden sind, ergibt eine Suche bei Google News nach der Einstellung von “neues” dann tatsächlich auch eine aktuelle Meldung. Respekt!

Die Einstellung konterkariert die Verjüngungsstrategie, welche allgemein im öffentlich-rechtlichen Rundfunk postuliert wird. So wurde kürzlich das “c’t Magazin” ohne Vorwarnung zum großen Manitu befördert – hier ist es zumindest inhaltlich nicht sonderlich schade drum – und auch “Abenteuer Wissen” wurde Anfang Mai eingestellt. Dies waren alles Sendungen mit einer Zielgruppe deutlich unter dem üblichen Altersdurchschnitt der Zuschauer. Zumindest “neues” und “Abenteuer Wissen” waren dabei auch von hochwertigen Inhalten geprägt – sie boten Informationen und Bildung auf eine unterhaltsame Weise. Die Sendung “neues” erhielt 2008 gar den Deutschen Fernsehpreis. Zuletzt wurden die Sendungen immer seltener, vermehrt verhinderten Thementage auf 3sat eine Ausstrahlung.

Statt solche Sendungen nun auszubauen und auf attraktive Sendeplätze zu bringen, werden sie eingestellt und statt dessen dubiose Nachfolgesendungen angeboten, welche sich kaum beachtet auf Spartenkanälen wie ZDFKultur finden lassen. So wird man eine Verjüngung des Publikums wohl kaum erreichen: Sahen sich interessierte Zuschauer noch regelmäßig diese Wissenssendungen und Sendungen zu Netzthemen an, werden sie wohl nun endgültig in selbiges abwandern – schade TV, Chance vertan!

 
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Geschrieben von - 2011/07/11 in Medien

 

Traktorsonntag

Mir war heute irgendwie nach Real Life, aber auf das Menschengedränge beim Thüringentag in Gotha hatte ich keine Lust. Also habe ich mir gedacht, ich schreibe noch einen nachträglichen Geburtstagspost für Iberty und fahre nach Hohenfelden zum Traktoren- und Oldtimertag.

Lanz Bulldog

Trecker-Enthusiast

Ich hatte sowieso schon länger mal vor, mir das Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden anzusehen. Also die günstige Gelegenheit genutzt und hin.

Vor Ort fand ich 2 Reihen ordentlich betagte Traktoren, und eine Reihe mehr oder weniger sonstige “Oldtimer”. Einige von denen waren allerdings jüngeren Baujahrs als ich und damit wohl eher nicht für diese Kategorie geeignet.

rustikales Armaturenbrett, Hauptsache ein Zigarettenanzünder ist vorhanden

Die Traktoren waren recht sehenswert und wurden auch entsprechend bestaunt. Leider standen selbige die ganze Zeit nur rum, was das Event etwas unspektakulär gestaltete. Das Publikum bestand überwiegend aus gelangweilten Kindern mit Trecker-verliebten Vätern oder Großvätern, welche meist recht kräftig gebaut waren und selbst unter Gewaltandrohung nicht dazu zu bewegen waren, sich mit ihrer Bratwurst einmal für 2 Sekunden aus dem Fotomotiv zu bewegen. Insgesamt war mehr oder weniger Dorffest-Atmosphäre.

Da kratzt sich selbst Bernhard Iner am Kopf...

Nachdem die reiferen Maschinchen recht bald fertig bestaunt waren, habe ich mir mal das Freiluftmuseum an sich angesehen. Ich bin recht froh, die Besichtigung mit der Trecker-Schau verbunden zu haben. Allein trägt das “Museum” meiner Meinung nach nicht. Ein paar alte Häuser, teilweise merkwürdig neu restauriert, mit ein paar alten Gegenständen darin. Wer schon einmal auf einem Dachboden war, sieht dort leider auch nichts Neues. Meine Großeltern haben vermutlich noch mehr und auch ältere landwirtschaftliche Geräte in der Scheune stehen, als dort zu sehen waren. Fairerweise muss ich zugestehen, dass reine Stadtkinder ohne jeden dörflichen Background evtl. etwas Neues gesehen haben könnten.

Positiv zu vermerken ist noch die herrliche Landschaft, in die Hohenfelden samt Stausee eingebettet ist. Vermutlich lohnt sich ein Besuch des Geländes dort mehr, wenn man einen Waldspaziergang anschliesst. Heute habe ich die Gelegenheit genutzt, noch ein Pärchen beim Sex zu beobachten.

Insektensex

 
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Geschrieben von - 2011/07/10 in Knipserei

 

Rätselraten um Wiki-Watch-Finanzierung

In der letzten Zeit ist die Arbeitsstelle im Studien- und Forschungsschwerpunkt “Medienrecht” der Juristischen Fakultät der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) ordentlich ins Gerede gekommen. Eine interne Wikipedia-Untersuchung ergab Auffälligkeiten im Editierverhalten von Benutzeraccounts, welche diesem Projekt zugeordnet wurden. Dieses Ergebnis animierte mich zu einem Blogbeitrag, welcher die Frage nach der Finanzierung dieses wohl nicht ganz so neutralen Projekts stellte. Infolge an mich und andere Online-Anbieter, welche auf meinen Blogbeitrag hinwiesen, verschickter Unterlassungserklärungen durch einen der beiden Leiter des Projekts wurde ein Redakteur auf die Angelegenheit aufmerksam und stellte intensivere Recherchen an.

Ergebnis ist ein Artikel in der Print-Ausgabe der FAZ vom 2.7.2011, einen Tag vorab veröffentlicht im Onlineangebot der FAZ. Dieser Artikel wurde jedoch bereits nach einem Tag wieder entfernt: »nehmen wir aus presserechtlichen Gründen bis auf weiteres von unserer Homepage«.

Bleibt für mich die Frage, wie sich dieses universitäre Forschungsprojekt nun tatsächlich finanziert. Auf meine Anfrage bei der Pressestelle der Universität erhielt ich folgende Auskunft: »Besonderheit des Studien- und Forschungsschwerpunkts Medienrecht ist, daß er seit seiner Gründung ausschließlich drittmittelfinanziert ist, zu seiner Finanzierung also keine Etatmittel der Universität verwendet werden.«

Man mag mein Erstaunen verstehen, als ich dann heute auf Meedia dieses lesen durfte: »Ein dritter Vorwurf, der laut Weberling falsch ist, ist die Behauptung von Wittkewitz, dass Wiki-Watch keine Angaben über Drittfinanzierungen machen würde. “Das stimmt schon deshalb nicht, weil Wiki-Watch bisher keine Drittmittel bekommen hat.”«

Ja, wie finanziert sich denn dieses Projekt nun? Ausschließlich durch Drittmittel, von denen noch nie welche erhalten wurden? Die Wahrheit ist wohl irgendwo da draußen…

 
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Geschrieben von - 2011/07/04 in Wikimedia

 

Gentest statt “heißer Spur”

Was macht die deutsche Polizei, wenn sie nicht mehr weiter weiß? Sie sammelt massenweise Handydaten und DNS-Proben ein. So tragisch ein Fall wie die aktuelle Tötung in Zella-Mehlis auch ist: Solche Tragödien werden immer wieder dafür mißbraucht, den Rechtsstaat auszuhebeln.

Was passiert momentan? Laut MDR und Thüringer Allgemeine wurden Anwohner um eine freiwillige Abgabe einer Speichelprobe zwecks DNS-Abgleich gebeten.

Natürlich fällt es da schwer, dagegen zu protestieren. Schließlich wäre man zum einen sofort verdächtig, zum anderen würde man sich den Zorn der wütenden Masse zuziehen. Keine freiwillige DNS-Abgabe? Dann muss es ein Krimineller sein, oder jemand, der etwas zu verbergen hat. Gegen Internetsperren? Das muss ein Kinderschänder sein, oder zumindest ein Sympathisant.
Gerade bei solch medienwirksamen Fällen fällt es schwer, seine freiheitlichen Grundrechte in Anspruch zu nehmen. Schließlich wird man nicht gern als “Aufklärungsverhinderer” hingestellt, und wenn der von BLÖD und Konsorten aufgehetzte Mob erst einmal Zeter und Mordio schreit, überlegt man sich schnell, ob man nicht doch lieber “freiwillig” seine Speichelprobe abgibt.
Was eine Verweigerung für Konsequenzen haben wird, kann man im Law-Blog nachlesen. So oder so – entweder man gibt seine Rechte auf, oder man wird stigmatisiert.

Wenig überraschend ist dann noch die Aussage, dass mit diesem “freiwilligen” Gentest ein möglicher Massengentest vereinfacht und unnötiger Doppelaufwand vermieden werden soll. Dieser wäre dann also nicht mehr freiwillig? Rechtsstaat, wo bist Du geblieben?

Natürlich wünsche ich mir, dass der Täter möglichst schnell ermittelt wird – aber nicht um jeden Preis! Die Polizei ist nicht dazu da, wenn sie “keine heiße Spur” hat, die Ermittlungen durch Massenerhebungen persönlichster Daten zu ersetzen. Wie bin ich froh, nicht in der Nähe von Zella-Mehlis zu wohnen. Ansonsten hätte ich diesen Blogbeitrag vermutlich gar nicht erst geschrieben, da Anfeindungen geBILDeter Anwohner mit ziemlicher Sicherheit folgen würden.

 
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Geschrieben von - 2011/07/01 in Dies und das

 

Steuerfinanzierte Wikipedia-Beeinflussung?

Über ein halbes Jahr wurde recherchiert, ausgewertet und formuliert – nun gibt es ein Ergebnis. Das Fazit ist teilweise wie erwartet, deckt aber andererseits einen pikanten Zusammenhang auf: Das Projekt “Wiki-Watch” der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder ist an einem langanhaltenden Kampf um Inhalte in der Enzyklopädie Wikipedia beteiligt.

Operationsgebiet der gezielten Beeinflussung sind Wikipedia-Artikel aus den Themenbereichen Homosexualität und Religion sowie Evangelikalismus. Dieser Themenbereich zählt seit Jahren zu einem hart umstrittenen Konfliktfeld.
Bekannt war bisher, dass ein Nutzer unter Zuhilfenahme mehrerer Accounts vehement versucht, seine verquere Sichtweise in die Artikel einzubringen und dabei das Wikipedia-Prinzip des “neutralen Standpunktes” missachtet. Die Folge waren häufige und unschöne Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Nutzern, welche die Aufmerksamkeit vieler Aktiver bindet und die normale Arbeit am Projekt massiv stört.

Wie sich nun herausstellte, ist der Nutzeraccount des universitären Forschungsprojektes “Wiki-Watch” nicht nur beteiligt, sondern nach aller Erkenntnis mit dem Problemnutzer sogar identisch. Betrieben wird “Wiki-Watch” dem Impressum zufolge von der Juristischen Fakultät der Europa-Universität:

Die Arbeitsstelle Wiki-Watch im „Studien- und Forschungsschwerpunkt Medienrecht“ der Juristischen Fakultät der Europa-Universität Viadrina wird geleitet von Prof. Dr. Johannes Weberling und Prof. Dr. Wolfgang Stock.

Wolfgang Stock ist Vorstandsmitglied des Christlichen Medienverbundes KEP und war Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft, das Menschen dabei helfen will “ihre Homosexualität durch Therapie zu überwinden”.

Es ist schon mehr als erstaunlich, dass Universitätsmitarbeiter offenbar ihre Stellung und ihre Arbeitszeit – sowie sicher vermutlich auch Steuermittel aus dem Uni-Haushalt – dazu benutzen, ihre merkwürdigen Vorstellungen von Homosexualität und Kirche in die wohl bekannteste Online-Enzyklopädie hineinzutragen.
Auf eine Stellungnahme der beteiligten Projektverantwortlichen sowie der Universität als dessen Träger bin ich jedenfalls sehr gespannt.

Nachtrag:
Herr Prof. Dr. Stock ist inzwischen nicht mehr als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft aufgeführt. Zum Erstellungszeitpunkt war dies jedoch noch der Fall. (Screenshot der Webseite vorhanden; es ist daher nicht nötig, mir Unterlassungserklärungen zuzusenden)
Im letzten Absatz habe ich das Wort “sicher” nicht als Adjektiv sondern adverbial benutzt, in der Bedeutung von “höchstwahrscheinlich, vermutlich” (siehe aktueller Duden Bedeutung 2a). Um Missverständnisse zu vermeiden, habe ich dies nun präzisiert.

 
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Geschrieben von - 2011/06/20 in Wikimedia

 

Jetzt bloggt er auch noch…!

Ich gestehe: Früher ™ empfand ich Blogs als eine Seuche. Nun hat sich das Verständnis des Wortes Blog in den letzten Jahren grundlegend geändert, es ist eine ernstzunehmende Blogosphäre entstanden. Bezeichnete noch vor einigen Jahren ein Blog in aller Regel ein tatsächlich öffentlich im Web geführtes Tagebuch mit privaten Befindlichkeiten, die eigentlich niemanden interessieren, findet man heute darunter auch Fach- und Wissenschaftsblogs. Unwichtige “Statusmeldungen” wie den letzten Friseurbesuch und ein Foto vom Carpaccio des vergangenen Abends findet man nun eher bei Facebook oder Twitter.

Nun werde ich hier sicherlich keine wissenschaftlichen oder hochgeistigen Abhandlungen verfassen. Aber vielleicht gelingt es mir ja, einige bisher noch nicht so recht verarbeitete Gedanken in essayistischer oder kolumnistischer Form in Bildpunkte zu bringen. ;-) Wenn es dann der eine oder die andere interessant findet, um so besser.

Vielen Dank an Southgeist für die Gelegenheit, mich erst einmal sechs Wochen lang als Gastblogger auf Iberty zu betätigen. Ich muss gestehen: Ich wurde erfolgreich angefixt. Die tragische Konsequenz der Aktion ist also ein weiteres Blog, das eigentlich niemand braucht. Meine Beiträge dort habe ich hier ebenfalls eingestellt, um nicht mit einem völlig leeren Blog beginnen zu müssen.

Ich bin selbst gespannt, wie sich das entwickelt, und ob es eine dauerhafte und regelmäßige Betätigung wird, oder ob es wieder einschläft.

 
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Geschrieben von - 2011/06/15 in Dies und das

 

Der E-Postbrief der Deutschen Post

Man soll ja nicht immer nur meckern, daher nun auch mal wieder etwas positives. :-)

Es gibt leider noch immer zahlreiche Unternehmen oder Behörden, die mit Kundenkontakten via E-Mail irgendwie noch nicht allzuviel anfangen können und auf papiergetragene Kommunikation oder eine Unterschrift bestehen. Meist sende ich in solchen Fällen ein Fax. Dank Telefonflatrate ist das kostenlos, und ob meine Unterschrift gescannt und das ganze als Computerfax verschickt oder aber tatsächlich als altmodisches Papierfax versendet wurde, kann der Empfänger in der Regel nicht so schnell erkennen.

Nun gibt es Spezialisten, die noch nicht einmal eine Faxnummer angeben. Normalerweise bleibt in solchen Fällen nur das Telefon (ungünstig da abstreitbar) oder aber der klassische Brief. Allerdings existiert inzwischen auch eine günstige Alternative.

Vor einiger Zeit habe ich mich beim E-Postbrief angemeldet. Nach dem ganzen Prozedere wie Anmeldung, Postident-Verfahren, nochmalige Eingabe eines zugesandten Codes zur Adressverifikation war sich der gelbe Riese dann wohl ausreichend sicher, es tatsächlich mit mir zu tun zu haben.

Als ich also neulich mal wieder eine Kündigung losschicken wollte, probierte ich dieses Tool einfach aus: Online losgeschrieben, auf Senden geklickt, Meldung über fehlendes Guthaben erhalten. Genau, da war ja noch was. Die Aufladung funktionierte problemlos per Kreditkarte, ich wollte schon immer mal einen Centbetrag mit Mastercard bezahlen. :-) Aus mir unerfindlichen Gründen musste ich statt dem normalen Porto von 55 ct mindestens stolze 56 ct einzahlen. Jetzt habe ich 1 ct Guthaben bei der Post. Auch prima, die zinslose Geldanlage in dieser Höhe kann ich gerade noch so verkraften. Danach nochmal auf Senden geklickt, dann das Senden nochmal bestätigt, dann war der Brief weg. Die papierhaltige Zustellung erfolgt angeblich innerhalb von 2 Werktagen. Ich habe den Brief jetzt als pdf im Portal und kann ihn auch runterladen.

Vor allem letzterer Punkt begeistert mich: Sollte ich einmal in Beweislast geraten, lässt sich dies prima vorweisen. Im Gegensatz zu Einschreibe-Sendungen ist hier sogar der Inhalt auf dem Postserver nachvollziehbar gespeichert. Nur über den Punkt “Datenschutz” habe ich beschlossen nicht intensiver nachzudenken. Theoretisch kann “die Post” meine Briefe lesen.

Fazit: Tolle Sache. Blatt Papier, Umschlag, Druckertinte, Weg zum Briefkasten gespart. Außerdem habe ich einen Sendenachweis, den ich bei einem selbst eingeworfenen Papierbrief nicht hätte. Ich bin zufrieden.

 
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Geschrieben von - 2011/06/15 in Dies und das

 

Frauenfußball und die Medien

Die deutschen U19-Frauen sind Europameister! Seit Samstag!

Die Nachricht dürfte gleichermaßen überraschen und auch wieder nicht. Nicht überraschend ist das Ergebnis (übrigens ein 8:1-Sieg im Finale gegen Norwegen) aus sportlicher Sicht: Die deutschen Fußballdamen sind ja bekanntlich sehr erfolgreich. Überraschen dürfte hingegen die meisten Menschen die Tatsache, dass diese EM überhaupt stattfand.

Am Pfingstwochenende war ich internetlos. An sich ist das nicht weiter tragisch, und es hat mir gezeigt, dass sich meine Abhängigkeit noch im vertretbaren Rahmen bewegen dürfte. Allerdings wollte ich am Samstag Abend das Ergebnis des Finalspiels in Erfahrung bringen. Allein – es ist mir nicht gelungen.

In den Nachrichten wurde der Titelgewinn (zumindest für mich wahrnehmbar) nicht einmal erwähnt. Also ein Blick in den guten alten Videotext geworfen: Das Erste (vulgo: ARD) hat Tabellen zu allen möglichen und unmöglichen Männer-Ligen im In- und Ausland. Selbst “Exoten” wie Rumänien und Kroatien werden gewürdigt. Die Frauen-WM im eigenen Land wird zumindest auch erwähnt, es gibt auch eine (!) Seite zur 1. Bundesliga der Frauen. Jedoch keine Meldung zum Titelgewinn der deutschen U19-Damen.
Das 2DF schießt den Vogel komplett ab: Es gibt insgesamt 2 Seiten zu den Damen. Die 1. BL und der DFB-Pokal dürfen sich sogar eine Seite teilen (3 Unterseiten im Wechsel).

Also in die Sportsender geschaut. Eurosport: Ausführliche und zahlreiche Seiten zur U21-EM und zur U17-WM. Der Männer versteht sich. Der Europameistertitel der Frauen wird nicht erwähnt. Letzte Hoffnung DSF Sport1: Das gleiche in bunt. Jede Menge internationaler Männer-Ligen, 2 Seiten zur 1. BL der Frauen, die Frauen-WM. Sonst nix. Keine Titelerwähnung.
So langsam beginne ich zu verstehen, warum es so viele Feministinnen gibt. Diese Ignoranz kotzt selbst mich als Mann an.

Also: Herzlichen Glückwunsch an unsere Fußball-Juniorinnen zum Titelgewinn! Für den Nachwuchs wäre also gesorgt.
An die Medien: Schämt Euch!

Originalpost und Kommentare: Iberty

 
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Geschrieben von - 2011/06/14 in Medien

 
 
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