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Archiv für den Monat Juni 2011

Steuerfinanzierte Wikipedia-Beeinflussung?

Über ein halbes Jahr wurde recherchiert, ausgewertet und formuliert – nun gibt es ein Ergebnis. Das Fazit ist teilweise wie erwartet, deckt aber andererseits einen pikanten Zusammenhang auf: Das Projekt “Wiki-Watch” der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder ist an einem langanhaltenden Kampf um Inhalte in der Enzyklopädie Wikipedia beteiligt.

Operationsgebiet der gezielten Beeinflussung sind Wikipedia-Artikel aus den Themenbereichen Homosexualität und Religion sowie Evangelikalismus. Dieser Themenbereich zählt seit Jahren zu einem hart umstrittenen Konfliktfeld.
Bekannt war bisher, dass ein Nutzer unter Zuhilfenahme mehrerer Accounts vehement versucht, seine verquere Sichtweise in die Artikel einzubringen und dabei das Wikipedia-Prinzip des “neutralen Standpunktes” missachtet. Die Folge waren häufige und unschöne Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Nutzern, welche die Aufmerksamkeit vieler Aktiver bindet und die normale Arbeit am Projekt massiv stört.

Wie sich nun herausstellte, ist der Nutzeraccount des universitären Forschungsprojektes “Wiki-Watch” nicht nur beteiligt, sondern nach aller Erkenntnis mit dem Problemnutzer sogar identisch. Betrieben wird “Wiki-Watch” dem Impressum zufolge von der Juristischen Fakultät der Europa-Universität:

Die Arbeitsstelle Wiki-Watch im „Studien- und Forschungsschwerpunkt Medienrecht“ der Juristischen Fakultät der Europa-Universität Viadrina wird geleitet von Prof. Dr. Johannes Weberling und Prof. Dr. Wolfgang Stock.

Wolfgang Stock ist Vorstandsmitglied des Christlichen Medienverbundes KEP und war Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft, das Menschen dabei helfen will “ihre Homosexualität durch Therapie zu überwinden”.

Es ist schon mehr als erstaunlich, dass Universitätsmitarbeiter offenbar ihre Stellung und ihre Arbeitszeit – sowie sicher vermutlich auch Steuermittel aus dem Uni-Haushalt – dazu benutzen, ihre merkwürdigen Vorstellungen von Homosexualität und Kirche in die wohl bekannteste Online-Enzyklopädie hineinzutragen.
Auf eine Stellungnahme der beteiligten Projektverantwortlichen sowie der Universität als dessen Träger bin ich jedenfalls sehr gespannt.

Nachtrag:
Herr Prof. Dr. Stock ist inzwischen nicht mehr als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft aufgeführt. Zum Erstellungszeitpunkt war dies jedoch noch der Fall. (Screenshot der Webseite vorhanden; es ist daher nicht nötig, mir Unterlassungserklärungen zuzusenden)
Im letzten Absatz habe ich das Wort “sicher” nicht als Adjektiv sondern adverbial benutzt, in der Bedeutung von “höchstwahrscheinlich, vermutlich” (siehe aktueller Duden Bedeutung 2a). Um Missverständnisse zu vermeiden, habe ich dies nun präzisiert.

 
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Geschrieben von - 2011/06/20 in Wikimedia

 

Jetzt bloggt er auch noch…!

Ich gestehe: Früher ™ empfand ich Blogs als eine Seuche. Nun hat sich das Verständnis des Wortes Blog in den letzten Jahren grundlegend geändert, es ist eine ernstzunehmende Blogosphäre entstanden. Bezeichnete noch vor einigen Jahren ein Blog in aller Regel ein tatsächlich öffentlich im Web geführtes Tagebuch mit privaten Befindlichkeiten, die eigentlich niemanden interessieren, findet man heute darunter auch Fach- und Wissenschaftsblogs. Unwichtige “Statusmeldungen” wie den letzten Friseurbesuch und ein Foto vom Carpaccio des vergangenen Abends findet man nun eher bei Facebook oder Twitter.

Nun werde ich hier sicherlich keine wissenschaftlichen oder hochgeistigen Abhandlungen verfassen. Aber vielleicht gelingt es mir ja, einige bisher noch nicht so recht verarbeitete Gedanken in essayistischer oder kolumnistischer Form in Bildpunkte zu bringen. ;-) Wenn es dann der eine oder die andere interessant findet, um so besser.

Vielen Dank an Southgeist für die Gelegenheit, mich erst einmal sechs Wochen lang als Gastblogger auf Iberty zu betätigen. Ich muss gestehen: Ich wurde erfolgreich angefixt. Die tragische Konsequenz der Aktion ist also ein weiteres Blog, das eigentlich niemand braucht. Meine Beiträge dort habe ich hier ebenfalls eingestellt, um nicht mit einem völlig leeren Blog beginnen zu müssen.

Ich bin selbst gespannt, wie sich das entwickelt, und ob es eine dauerhafte und regelmäßige Betätigung wird, oder ob es wieder einschläft.

 
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Geschrieben von - 2011/06/15 in Dies und das

 

Der E-Postbrief der Deutschen Post

Man soll ja nicht immer nur meckern, daher nun auch mal wieder etwas positives. :-)

Es gibt leider noch immer zahlreiche Unternehmen oder Behörden, die mit Kundenkontakten via E-Mail irgendwie noch nicht allzuviel anfangen können und auf papiergetragene Kommunikation oder eine Unterschrift bestehen. Meist sende ich in solchen Fällen ein Fax. Dank Telefonflatrate ist das kostenlos, und ob meine Unterschrift gescannt und das ganze als Computerfax verschickt oder aber tatsächlich als altmodisches Papierfax versendet wurde, kann der Empfänger in der Regel nicht so schnell erkennen.

Nun gibt es Spezialisten, die noch nicht einmal eine Faxnummer angeben. Normalerweise bleibt in solchen Fällen nur das Telefon (ungünstig da abstreitbar) oder aber der klassische Brief. Allerdings existiert inzwischen auch eine günstige Alternative.

Vor einiger Zeit habe ich mich beim E-Postbrief angemeldet. Nach dem ganzen Prozedere wie Anmeldung, Postident-Verfahren, nochmalige Eingabe eines zugesandten Codes zur Adressverifikation war sich der gelbe Riese dann wohl ausreichend sicher, es tatsächlich mit mir zu tun zu haben.

Als ich also neulich mal wieder eine Kündigung losschicken wollte, probierte ich dieses Tool einfach aus: Online losgeschrieben, auf Senden geklickt, Meldung über fehlendes Guthaben erhalten. Genau, da war ja noch was. Die Aufladung funktionierte problemlos per Kreditkarte, ich wollte schon immer mal einen Centbetrag mit Mastercard bezahlen. :-) Aus mir unerfindlichen Gründen musste ich statt dem normalen Porto von 55 ct mindestens stolze 56 ct einzahlen. Jetzt habe ich 1 ct Guthaben bei der Post. Auch prima, die zinslose Geldanlage in dieser Höhe kann ich gerade noch so verkraften. Danach nochmal auf Senden geklickt, dann das Senden nochmal bestätigt, dann war der Brief weg. Die papierhaltige Zustellung erfolgt angeblich innerhalb von 2 Werktagen. Ich habe den Brief jetzt als pdf im Portal und kann ihn auch runterladen.

Vor allem letzterer Punkt begeistert mich: Sollte ich einmal in Beweislast geraten, lässt sich dies prima vorweisen. Im Gegensatz zu Einschreibe-Sendungen ist hier sogar der Inhalt auf dem Postserver nachvollziehbar gespeichert. Nur über den Punkt “Datenschutz” habe ich beschlossen nicht intensiver nachzudenken. Theoretisch kann “die Post” meine Briefe lesen.

Fazit: Tolle Sache. Blatt Papier, Umschlag, Druckertinte, Weg zum Briefkasten gespart. Außerdem habe ich einen Sendenachweis, den ich bei einem selbst eingeworfenen Papierbrief nicht hätte. Ich bin zufrieden.

 
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Geschrieben von - 2011/06/15 in Dies und das

 

Frauenfußball und die Medien

Die deutschen U19-Frauen sind Europameister! Seit Samstag!

Die Nachricht dürfte gleichermaßen überraschen und auch wieder nicht. Nicht überraschend ist das Ergebnis (übrigens ein 8:1-Sieg im Finale gegen Norwegen) aus sportlicher Sicht: Die deutschen Fußballdamen sind ja bekanntlich sehr erfolgreich. Überraschen dürfte hingegen die meisten Menschen die Tatsache, dass diese EM überhaupt stattfand.

Am Pfingstwochenende war ich internetlos. An sich ist das nicht weiter tragisch, und es hat mir gezeigt, dass sich meine Abhängigkeit noch im vertretbaren Rahmen bewegen dürfte. Allerdings wollte ich am Samstag Abend das Ergebnis des Finalspiels in Erfahrung bringen. Allein – es ist mir nicht gelungen.

In den Nachrichten wurde der Titelgewinn (zumindest für mich wahrnehmbar) nicht einmal erwähnt. Also ein Blick in den guten alten Videotext geworfen: Das Erste (vulgo: ARD) hat Tabellen zu allen möglichen und unmöglichen Männer-Ligen im In- und Ausland. Selbst “Exoten” wie Rumänien und Kroatien werden gewürdigt. Die Frauen-WM im eigenen Land wird zumindest auch erwähnt, es gibt auch eine (!) Seite zur 1. Bundesliga der Frauen. Jedoch keine Meldung zum Titelgewinn der deutschen U19-Damen.
Das 2DF schießt den Vogel komplett ab: Es gibt insgesamt 2 Seiten zu den Damen. Die 1. BL und der DFB-Pokal dürfen sich sogar eine Seite teilen (3 Unterseiten im Wechsel).

Also in die Sportsender geschaut. Eurosport: Ausführliche und zahlreiche Seiten zur U21-EM und zur U17-WM. Der Männer versteht sich. Der Europameistertitel der Frauen wird nicht erwähnt. Letzte Hoffnung DSF Sport1: Das gleiche in bunt. Jede Menge internationaler Männer-Ligen, 2 Seiten zur 1. BL der Frauen, die Frauen-WM. Sonst nix. Keine Titelerwähnung.
So langsam beginne ich zu verstehen, warum es so viele Feministinnen gibt. Diese Ignoranz kotzt selbst mich als Mann an.

Also: Herzlichen Glückwunsch an unsere Fußball-Juniorinnen zum Titelgewinn! Für den Nachwuchs wäre also gesorgt.
An die Medien: Schämt Euch!

Originalpost und Kommentare: Iberty

 
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Geschrieben von - 2011/06/14 in Medien

 
 
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